Welches Objektiv

möchte, will, brauche ich oder auch nicht?

Puh, womit fange ich da an? Beim Kamerakauf ist oft schon eines im Set dabei.
Ein Standard-Zoom oder auch „Kit-Objektiv“ genannt, meist im Kleinbildbereich von ca. 24-80 mm (18-55 mm APS-C). Allerdings in nicht wirklich berauschender Lichtstärke, oft f 3,5-5,6. Zu „analogen“ Zeiten hatten sie keinen besonders guten Ruf und galten als kontrastarm und unscharf. Das hat sich besonders seit den spiegellosen Digitalkameras (kurz DSLM´s) grundsätzlich geändert! Ein sogenanntes „Kit-Objektiv“ hat heute oft eine Bildqualität, die früher nicht einmal von hochwertigen Festbrennweiten erreicht wurden. Warum ist das der Fall?
Nun, der verkürzte Abstand von der Hinterlinse des Objektives zum Sensor machte generell Neuberechnungen der Optiken erforderlich und so gewann man in allen Objektiv-Klassen automatisch an Qualität dazu. Kontrast und Schärfe steigerten sich obwohl die Objektive kleiner und leichter wurden.

Meist wird als nächstes ein Telezoom als Ergänzung dazu gekauft (70-200 / 100-300 mm KB*). Mit der Zeit findet man seine Bereiche in denen man sich fotografisch bewegt. Die einen zieht es in die Landschaft, andere in Richtung Tiere, Porträt, Architektur, Streetfotografie oder Makros. Für alle diese Bereiche gib es auch spezielle Objektive mit denen man die besten Erfolge erzielen kann. Weitwinkel-Objektive (ca. 10-35 mm) werden oft für Landschaften bevorzugt, 85-135 mm Festbrennweiten gerne für Porträts, Makroobjekive für Nahaufnahmen, Tilt/Shift Objektive für entzerrungsfreie Architekturfotos.
Hinweise dazu findet ihr im Text bei den entsprechenden Bilder-Galerien.

Die Lichtstärke ist dabei aber manchmal DER Knackpunkt bei der Wahl des richtigen Objektives. Für die „Offenblenden-Gurus“ gibt es sowieso keine Objektive über f1,8 oder 2. . Sie suchen die knappe Schärfentiefe (oder Tiefenschärfe) oder das weiche Bokeeh (japanisch für Unschärfe) im Hintergrund. Der heutige Markt bietet Blende 1.4, 1.2, 1.0 oder 0.95 an. ABER meines Erachtens liegt die sinnvolle Grenze bei 1,4, für Normalverbraucher eher um 1.8 / 2.0. Objektive mit 1.2 und darunter bilden schon etwas „weicher“ ab und sind aufgrund der knappen Schärfentiefe schon sehr schwer scharf zu stellen. Bei Porträts kann es schon sein, dass der AF die Augenbrauen scharf stellt, die Pupille schon unscharf wirkt und das Ohr schon verwaschen im Hintergrund untergeht. Für ein schönes, natürliches Porträt empfielt sich dann schon f2.0 oder 2.8! Wozu also ein teures, unscharfes Objektiv kaufen, dass ich im Offenblendebereich sowieso nicht nutzen kann?

Übliche Blendenbereiche:
Porträts haben wir ja bereits erwähnt, meistens spielt es sich um f2.8 ab.
Landschaft und Architektur: zw. f4 – 11 (eventuell 16) weil man größere Tiefenschärfe benötigt.
Makrofotografie: diese Objektive beginnen meist mit f2.8, manchmal 3,5, hier ist der unscharfe Hintergrund hilfreich bei der Freistellung der Motive, manchmal muss man aber auch abblenden um z. Bsp. ein Insekt komplett scharf ins Bild zu bekommen. Diese Objektive sind auf Schärfe getrimmt und das schon von f2.8 an.
Tiere: Da hier meist mit Telebrennweiten gearbeitet wird kann es je nach Tier und Lichtbedingungen über fast den gesammten Blendenbereich gehen, also f2.8 bis 16.
Streetfotografie ist meist im Bereich f4-8 unterwegs, da es hier primär um Situationen, Schnappschüsse geht.
Sportfotografie: Aufgrund höherer Geschwindigkeit sind hier wieder hohe Lichtstärken ab f2.8 gefragt.

So, ich hoffe ich habe nichts Wesentliches vergessen. Mein Tipp ist auf jeden Fall, sich klar zu werden wie weit man bei den Investitionen geht, was man WIRKLICH benötigt und auch nutzt, also vernünftig an die Wahl des Objektives gehen. Erfahrene FotografInnen, gute Fachhändler, Geräte zum testen ausleihen sind da sehr hilfreich! Das erspart Fehlkäufe und schont Geldbörse als auch Nerven. 😉

Gutes Gelingen!
Euer Lupo